1874

Vier „Feuerkübel“ und zwei „Feuerhacken“ – das war die gesamte Ausrüstung an Löschgeräten, die die Gemeinde Walpertskirchen nach einer 1855 durchgeführten Inventur besaß.
Eine entscheidende Verbesserung der Brandschutzausrüstung trat erst im Jahre 1874 mit der Anschaffung einer Handdruckspritze ein. Der Kaufpreis dieser damals als „Feuerlöschmaschine“ bezeichneten Handdruckspritze bezifferte sich auf 381 Gulden (= 653 Mark).

 

1876

Zwei Jahre nach Anschaffung der Handdruckspritze konnte sie zweckgerecht in einem „Feuerhaus“ untergebracht werden.

Für das erste Walpertskirchener Gerätehaus am Südeingang des Friedhofs wendete die Gemeinde 571,53 Mark auf. Quelle: Ausschnitt aus einer Ansichtskarte

1881

Offiziell konstituierte sich die Freiwillige Feuerwehr Walpertskirchen am 1. April 1881 mit einer „Kompagnie“. Sie verfügte nun auch „statusgerecht“ über eine Fahne, die sie bereits ein Jahr vorher hatte anfertigen lassen. Ihr Personal bestand aus den männlichen Gemeindeeinwohnern im Alter von 18 bis 50 Jahren.. Wer nicht eintrat, wurde in der Pflichtfeuerwehr erfasst. Diese war unverzichtbar, denn zum Betrieb der Handdruckspritze war ausdauernde Muskelkraft gefordert. Die in der Regel von den Pflichtfeuerwehrleuten zu bildende Pumpenmannschaft musste, wenn erforderlich, stundenlang ihre Leistung erbringen, was nur mit sich ablösenden Mannschaften möglich war.

 

Stolz präsentieren sich im Jahre 1904 die Männer der Walpertskirchner Wehr dem Fotografen Joseph Eixenberger

1935

Die nationalsozialistische Machtübernahme hatte die Enddemokratisierung der Feuerwehren zur Folge. Ab 1935 wurden die Führungskräfte nicht mehr gewählt, und an die Stelle der jährlichen Generalversammlung trat nun der „Jahresappell“.
In dem im Dezember 1936 ab-gehaltenen Jahresappell gab Kommandant und Bezirksbrandmeister Jakob Graf die neuen Aufgaben der Feuerwehr als Luftschutztruppe und Polizeiexekutive bekannt.

 

1944

Am 23. November 1940 beschloss der Walpertskirchener Gemeinderat aufgrund einer höheren Weisung die Beschaffung einer Motorspritze. Das mit vielen behördlichen Genehmigungen verbundene Beschaffungsverfahren zog sich bis 1944 hin. Das Gerät, eine mit einem 28-PS-Zweitaktmotor ausgerüstete Tragkraftspritze wurde von den Breuer-Werken in Frankfurt am Main-Höchst geliefert – in polizeigrüner Lackierung, wie sie damals vorgeschrieben war. Für diese so genannte Einheits-Tragkraftspritze TS 8/8 – die Walpertskirchener bezeichnen sie als „de oid’ Res’ – bezahlte die Gemeinde 2.724,40 Reichsmark.

Die erste Motorspritze der Feuerwehr Walpertskirchen Fabrikat Breuer, Frankfurt a.M.-Höchst. Foto: Karl Bürger

1948

Gut drei Jahre nach Kriegsende wurde am 29. August 1948 die Freiwillige Feuerwehr Walpertskirchen wiedergegründet. Die Gründungsversammlung wählte Sebastian Stangl zum 1. Kommandant und Matthias Schwaiger zu seinem Stellvertreter

 

1956

Ein Eigenbau war der 1956 für die Walpertskirchener Feuerwehr gefertigte TSA. Dieses mit einem hölzernen Aufbau versehene Fahrzeug stand bis 1978 im Einsatzdienst.

 

1957

Am 15. November 1957 stellte die Walpertskirchener Feuerwehr eine neue TS 8/8, Fabrikat Metz mit Trockenring-Entlüftungseinrichtung und VW-Industriemotor, in Dienst.
Der Kaufpreis betrug 3.755 DM. 1991 wurde sie durch eine neue Maschine des Herstellers Rosenbauer mit BMW-Motor ersetzt, die mit 17.723 DM fast fünfmal so viel wie ihre Vorgängerin kostete.

 

1958

Eine Sirene wurde 1958 auf dem Dach des Schulgebäudes (heute Kindergarten) installiert, die allerdings nur vor Ort in Betrieb gesetzt werden konnte.
Zur Auslösung der Sirene von Hand musste die „Feuermeldestelle“, das Gasthaus Weinhuber (der „Kramerwirt“) oder das Gasthaus Büchlmann (der „Unterwirt“) oder „die alte Schule“ (heute Kindergarten) angerufen werden.
Diese zeitraubende Art der Alarmierung über den Anruf der Feuermeldestelle wurde 1976 durch die Funkalarmierung entscheidend verbessert

Unvorstellbar erscheint heute, dass vor Einführung der Funkalarmierung zum „Intätigsetzen der Sirene“ die „alte Schule“ anzurufen war. Sammlg. Feuerwehr Walpertskirchen

 

1962

Als Ersatz für das „Feuerhaus“ aus dem Jahre 1876 errichtete die Gemeinde 1962 einen Neubau am östlichen Ufer des Pfarrerweihers.
Für dieses mit einem Schlauchtrockenturm ausgestattete Gebäude beliefen sich die Baukosten auf 14.926 DM.

Das Feuerwehrgerätehaus von 1962 im letzten Jahr seiner Nutzung. Aufnahme vom 2. Februar 1992. Foto: Karl Bürger

1964

Als am 25. Oktober 1964 das erste Walpertskirchener Löschfahrzeug, ein TSF Ford Taunus Transit mit Ausrüstung Metz, feierlich in Dienst gestellt wurde, war die Feuerwehr Walpertskirchen endlich auf einen halbwegs zeitgemäßen Stand gebracht worden.
Inklusive Dachgepäckträger kostete das Fahrzeug 13.452 DM.

Das Bild zeigt das TSF bei einer Leistungsprüfung. Bei der Feuerwehr Walpertskirchen wurde eine Leistungsprüfung erstmals unter der Regie von 1. Kommandant Johann Bals anlässlich der Einweihung des TSF abgenommen. Foto: Archiv der Feuerwehr Walpertskirchen

1966

Am 23. und 24. Juli 1966 feierte die Feuerwehr Walpertskirchen ihr 85-jähriges Gründungsfest, anlässlich dessen eine neue Fahne geweiht wurde.

 

1978

Als Ersatz für das TSF konnte die Gemeinde im Oktober 1978 ein von der Berufsfeuerwehr München ausgemustertes Trockentanklöschfahrzeug (TroTLF) erwerben. Zur Generalüberholung dieses Fahrzeuges, das 1965 von Klöckner-Humboldt-Deutz (Magirus) geliefert worden war, waren u.a. 429 Arbeitsstunden erforderlich, die von Walpertskirchener Wehrmännern in vier Wochen geleistet wurden. An Stelle des ausgebauten 750 kg-Löschpuverbehälters fanden die TS 8/8 auf einem Schlitten, 16 C-Rollschläuche in Fächern und eine B-Schlauchhaspel Aufnahme. Das so entstandene „TLF 16“ stand bei der Feuerwehr Walpertskirchen 25 Jahre im Einsatzdienst, und damit fast doppelt so lang wie bei der BF. Am 28. November 2003 kaufte 1. Vorstand Josef Mayr den Oldtimer zum Preis von 3.001 €.

Das TLF 16 am 20. April 1998. Foto: Karl Bürger

1979/80

Vorsätzlich gelegt wurde der Brand des Stallgebäudes des Stimmer-Hofes („beim Urban“) in Kapfing am 16. Dezember 1979. Eisiger Westwind erschwerte an diesem Sonntag die Löscharbeiten erheblich, die zusammen mit den Kollegen aus Hörlkofen und Altenerding bewältigt wurden. Derselbe Täter, der in Kapfing Feuer gelegt hatte, leistete am 12. Oktober 1980 in der Hühnerfarm in Kuglern (Anwesen Renner, „beim Nußrainer“) ganze Arbeit. An diesem Sonntagnachmittag waren alle verfügbaren Kräfte im Einsatz, um die hochlodernden Flammen niederzukämpfen und um zu hindern, dass der Großbrand auf das Wohnhaus übergriff.

Einsatz ohne Bereitstellung beim Brand in Kuglern. Foto: Konrad Kressierer

1981

Vom 28. bis 31. Mai 1981 feierte die Walpertskirchener Feuerwehr unter der Regie von 1. Vorstand Anton Hörmann und 1. Kommandant Adam Gröpmair ihr 100-jähriges Bestehen.
Einer der Höhepunkte der Festveranstaltungen war eine historische Übung im Stil der – zwar so bezeichneten, aber kaum so gewesenen – „guten alten Zeit“ zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Anfahrt zur historischen Übung am 30. Mai 1981. Foto: Konrad Kressierer

 

1992

Um die Brandbekämpfung zu verbessern und vor allem die technische Hilfeleistung auf den erforderlichen Stand zu bringen, wurde am 17. Dezember 1992 das von den Herstellern MAN und Metz gefertigte LF 16/12 in Dienst gestellt.
Einschließlich der feuerwehrtechnischen Beladung bezifferte sich der Kaufpreis auf 474.650 DM.

Das LF 16/12, aufgenommen am 20. April 1998. Foto: Karl Bürger

Da eine Unterbringung des neuen Fahrzeugs im alten Gerätehaus nicht möglich war, mietete die Gemeinde im Anwesen von Alois Weinhuber eine Halle an.
Diese rüsteten die Feuerwehrmänner am 21. Dezember 1992 zu einem provisorischen Gerätehaus um.
Darin waren das neue LF 16/12 und das alte TLF 16 bis zur Inbetriebnahme des neuen Gerätehauses am 13. April 1994 untergebracht.

 

1994

Der Neubau des Gerätehauses an der Auer Straße war zu den Frühjahrsübungen 1994 fertiggestellt.
Am 3. Juli 1994 fand die feierliche Einweihung statt. Für den Neubau, der endlich den Anforderungen gerecht wurde, wendete die Gemeinde insgesamt 2.119.271 DM auf
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Das Gerätehaus an der Auer Straße, 20. April 1998. Foto: Karl Bürger

1998

Einen für 8.000 DM angekauften gebrauchten Kleinbus Mercedes-Benz MB 100 D rüsteten fachkundige Walpertskirchener Feuerwehrler im Winter 1998/99 zu einem Mehrzweckfahrzeug um.
Die Lackierung und Geräte-bestückung bezahlte der Feuerwehrverein. Im März 1999 erfolgte die Indienststellung.

Das Mehrzweckfahrzeug erhielt am 18. April 1998 den kirchlichen Segen. Foto: Karl Bürger

1999

Am 14. Juni 1999 konnte in Walpertskirchen eine Feuerwehr-Jugendgruppe gegründet werden. Jugendwart wurde der Initiator Karl Bürger. Die Übungen der Jugendgruppe fanden seit Gründung der Jugendgruppe in der Regel zweimal im Monat statt, in denen die Feuerwehranwärter/-innen hauptsächlich die feuerwehrtechnischen Grundtätigkeiten erlernten. Seit 2016 üben die Jugendlichen teils in eigenen Jugendübungen und teils zusammen mit den Aktiven. Begleitend werden dabei Teamgeist und Kameradschaft nachhaltig gefördert, womit die Mitgliedschaft in der Jugendgruppe auch einen sehr wertvollen und nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Sozialisation der Jugendlichen leistet.

Die „Pioniere“ der Jugendgruppe wurden, da noch keine Jugendschutzanzüge zur Verfügung standen, mit ausgemusterten Monturen des Katastrophenschutzes ausgestattet. Foto: Anna-Maria Bürger

 

2003

2003 war über den Ersatz des inzwischen 38 Jahre alten TLF 16 zu entscheiden. Da der Gemeinde für ein Löschfahrzeug das Geld fehlte, wurde ein LKW mit MAN-Fahrgestell und einem Aufbau der Fa. Weinmann zum Preis von rd. 85.000 € beschafft. Die Anlieferung erfolgte am 30. Januar 2004. Die auf dem LKW verlasteten Geräterollcontainer und deren Bestückung entwarf 1. Kommandant Roland Röhling; sie wurden in Eigenleistung in rd. 800 Arbeitsstunden gefertigt. Jeder der fünf Rollcontainer bildet aufgrund der darauf befindlichen Ausrüstung eine flexibel handhabbare Einheit mit den jeweils zugehörigen Geräten. An der Stirnseite des Aufbaus ist ein mittels Kurbel ausfahrbarer Lichtmast mit 4 x 1.500 W montiert. Zu den Kosten für die Ausstattung des Fahrzeugs steuerte der Feuerwehrverein 12.000 € bei. Nach Abschluss der vielfältigen Arbeiten konnte der „Gerätewagen schwer“ (urspr. 81/1, jetzt 56/1) am 1. März 2004 in Dienst gestellt werden, und am 1. Mai 2004 wurde es feierlich eingeweiht.

Aufnahme vor dem neuen Gerätewagen schwer für die Presse am 10. April 2004. Foto: Anna-Maria Bürger

Im Herbst 2003 beschaffte der Landkreis Erding einen Gerätesatz zur Rettung bzw. Bergung von Opfern von Eisenbahnunfällen. Auf Grund der mittigen Lage an der Bahnlinie München – Mühldorf entschied sich die Kreisbrandinspektion, den Gerätesatz in Walpertskirchen zu stationieren. Der seit 21. April 2004 verfügbare Bahnrettungssatz besteht aus zwei auf dem Gleis laufenden Handwagen, fünf Transportschalen und einem Gerüst mit Rettungsplattform. Der Bahnrettungssatz ist auf einem Anhänger verlastet, den der Landkreis hierfür 2017 beschafft hat. Als Zugfahrzeug dient der Gerätewagen (56/1) oder das MzF.

Der Bahnrettungssatz auf dem 2017 vom Landkreis beschafften Anhänger ist in einer Garage neben dem Gerätehaus einsatzbereit untergebracht. Foto: Stefan Bartl

 

2006

Vom 24. bis 29. Mai 2006 beging die Freiwillige Feuerwehr Walpertskirchen ihr 125-jähriges Gründungsfest. Die zahlreichen, sehr gut besuchten Festveranstaltungen fanden ihren Höhepunkt am Sonntag, den 28. Mai.
Nach dem Gründungsfest baute die Feuerwehr in Eigenleistung an ihre in der Nähe des Gerätehauses befindliche Garage eine weitere an.
Darin war (und ist) seither u.a. der Bahnrettungssatz untergebracht. Zum Transport musste er, bis der landkreiseigene Anhänger zur Verfügung stand, auf den (vorher leergeräumten) Gerätewagen (56/1) verlastet werden, was nicht ganz ungefährlich war.

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Gruppenfoto zum Fest Foto: Archiv der Feuerwehr Walpertskirchen (Zum vergrößern auf das Bild klicken)

 

2008

Ebenfalls in Eigenleistung errichtete die Feuerwehr im Frühjahr 2008 einen Schlauchtrockenturm, der sich durch geschickte Bauweise in das Gerätehaus integrieren ließ.
Der Turm war erforderlich geworden, weil sich die im Keller befindliche Schrägtrocknung nicht bewährt hatte.

 

2012

Nachdem das von den Aktiven 1998 in Eigenleistung hergerichtete Mehrzweckfahrzeug den Erfordernissen nicht mehr genügte und die zu erwartenden Kosten für Reparaturen nicht mehr wirtschaftlich vertretbar erschienen, entschied der Gemeinderat die Beschaffung eines Neufahrzeuges, das am 21. Oktober 2012 feierlich in Dienst gestellt wurde.

Das zeitgemäße Mehrzweckfahrzeug Typ Mercedes-Benz Sprinter im Einweihungs-Schmuck am 21. Oktober 2012. Foto: Karl Bürger

 

Texte: Karl Bürger